Stiller Abschied mit Wehmut.Lucia Lacarra und Marlon Dino verlassen aufgrund der aktuellen Umbruchsituation das Bayerische Staatsballett.

27.06.2016

Seit April 2014 schwebt der Name Igor Zelensky wie ein Damoklesschwert über dem Bayerischen Staatsballett. Auf der einen Seite: Noch-Ballettchef Ivan Liška und sein Team, das zum Ende der Spielzeit nach 18 Jahren mächtig stolz auf ein Repertoire großer Diversität zurückblickt. Wie in nächster Zukunft damit umgegangen wird, steht noch in den Sternen. Für international erfahrene und gefragte Tänzerinnen vom Format einer Lucia Lacarra war diese Stilvielfalt der Grund, sich für eine enge Zugehörigkeit in der Münchner Truppe zu entscheiden.

Lucia Lacarra and Marlon Dino in Light Rain, Ch. by Gerald Arpino © Jack Devant


Nun erwartet das Leitungskollektiv zum Abschied eine Auszeichnung: Am 20. Juli wird der diesjährige Tanzpreis der Landeshauptstadt München an Ivan Liška sowie an seine beiden Mitstreiter Bettina Wagner-Bergelt und Wolfgang Oberender, Vizedirektoren und Dramaturgen der Kompanie, verliehen. Die Geste gleicht einem Manifest, das allerdings (will man beim Pool der Kompanie bleiben) scheidende wie weiterbeschäftige Tänzer ausklammert.

Lucia Lacarra und Marlon Dino © Courtesy Enrico Della Valle www.enricodellavalle.com

Am anderen Ende des Verhandlungstisches agiert – (nicht nur) für die Öffentlichkeit bisher weitgehend schmallippig und fast unsichtbar – der beruflich noch in Moskau als Ballettchef des Stanislavsky und Nemirovich-Danchenko Theaters verankerte Neue. Offen in die Karten schauen lassen, will Zelensky sich nicht. Wobei man nachvollziehen kann, dass der gebürtige Russe – vorerst auf jeden Fall – sein zweites Standbein in der Heimat behält. Und natürlich Tänzer von dort nach München bringt. Die Hintertür zu Halbherzigkeit, gepaart mit einem, glaubt man Tänzern, ausgesprochen sowjetisch-autoritären und alleinbestimmenden Führungsstil, darf diese Doppelfunktion allerdings nicht sein. Auf dem Spiel steht das künftige Profil des Bayerischen Staatsballetts. Ein solches weiterzuführen und zu entwickeln, ist kein Nebenjob. Doch anstelle von klaren Ansagen aus erster Hand, schwelt in München die Gerüchteküche.

Igor Zelensky, der von insgesamt 66 Mitgliedern 29 Tänzer nicht länger am Haus behält (was sein gutes Recht und durchaus keine so ungewöhnlich hohe Zahl ist), wird Zeit brauchen, um in München anzukommen...

Dance for You Magazine abonnieren und weiter lesen

           

Add a comment

 
Back
 
29.11.2017

Im Delirium von Rhythmus und Rausch

Im Delirium von Rhythmus und Rausch Weiter
28.11.2017

SUCCES STORIES - ROCH VALLEY

The Roch Valley brand has its origins in the North West of England, an area known for its lively arts and Weiter
10.11.2017

Karibik-Feeling und mehr „Debut“ von Acosta Danza erobert Londons Publikum im Sturm

12 Frauen und neun Männer hat Carlos Acosta um sich versammelt. Die 2015 vom ehemaligen Principal des Weiter