Erstarrte Choreografie

27.06.2016

 Jiří Kylián über Momente zwischen Vergangenheit und Zukunft in seiner zweiten künstlerischen Profession: Film und Fotografie

Jiří Kylián, ein Gerücht macht die Runde, nach dem Sie für drei Jahre zurückkehren in eine Leitungsfunktion. Mehr noch: dass Sie für das Ballet du Lyon choreografieren. Ist an dem Gerücht etwas Wahres, oder handelt es sich dabei eher um ein Wunschdenken?

Ich bin dem Ballet du Lyon seit den Achtzigern verbunden; meine erste Einstudierung, „La Cathédrale engloutie“, erfolgte noch unter der Direktion von Françoise Adret. Es sind inzwischen noch viele dazu gekommen. Ich schätze das Ensemble sehr, nicht zuletzt weil es mich an das Nederlands Dans Theater früherer Jahre erinnert – mit all den Choreografien von Forsythe, Duato, Naharin, Lightfoot, van Manen und natürlich auch von mir, die inzwischen im Repertoire zu finden sind. Deshalb habe ich das Angebot von Yorgos Loukos, die nächsten drei Jahre eine Position als Artist in residence zu übernehmen, auch gerne angenommen.

Sabine Kupferberg© Jirí Kylián

Und das bedeutet?

Das bedeutet nicht, dass ich dort neue Stücke schaffe. Vielmehr handelt es sich dabei eher um eine Beraterposition. Es verändert sich auch nicht viel; ich werde wie bisher meine Stücke zur Verfügung stellen. Aber ich möchte dort auch ganz besondere Arbeiten vorstellen wie zum Beispiel „East Shadow“, das mit ehemaligen Tänzern von NDT 3 und einer Pianistin entstand, oder „Last Touch First“, auch ein Stück mit älteren Tänzern.

Ein ähnlicher Vertrag, wie ihn Ihr ehemaliger Stuttgarter Kollege William Forsythe unter Benjamin Millepied gehabt hat und den er jetzt unter Mikko Nissinen beim Boston Ballet hat. Er schließt allerdings das Nicht-Choreografieren nicht aus.

Mag sein. In Lyon werden jedenfalls meine Filme gezeigt, meine Arbeiten, die nach meinem Weggang vom NDT entstanden sind, und die Fotoinstallation „Free Fall“.

Über die wir noch sprechen wollen. Warum choreografieren Sie eigentlich nicht mehr?

Es war keine bewusste Entscheidung, es hat sich einfach so entwickelt. Mich interessieren inzwischen eben andere Facetten von Kreativität: Film, Video und – Fotografie; nein, das wäre zu viel gesagt. Bei „Frei Fall“ handelt es sich um eine theatralische Präsentation dessen, was ich fotografiert habe.

Foto © Joris-Jan Bos

Das Bewegtwerden hat sich dabei in sein Gegenteil verkehrt: den Stillstand. Ihr Hauptinteresse gilt seit längerer Zeit dem Film. Sie haben größere produziert wie „Zugvögel“, „Car-Men“ und „Between Entrance & Exit“. Und es gibt kürzere wie „Schwarzfahrer“ und erst vor kurzem „Oskar“ mit Bernice Coppieters und Jean-Christophe Maillot für Les Ballets de Monte Carlo.

Ein Gespräch von Hartmut Regitz

Dance for You abonnieren und das gesamte Interview lesen

 

           

Add a comment

 
Back
 
28.11.2017

JASON REILLY

As he celebrates his twentieth anniversary with the Stuttgart Ballet, the Canadian-born Principal talks to Weiter
28.11.2017

ARTUR SHESTERIKOV - At the top of his game

Debuts, jumps, castings, patience, perfectionism, and that feeling of being fit and in shape. At the Dutch Weiter
28.11.2017

DER NEUBEGINN - FILIP BARANKIEWICZ IM INTERVIEW

Im prächtigen Nationaltheater in Prag - Národní divadlo - feierte das Tschechische Weiter