Der Tanz kennt keine Grenzen

15.05.2016

Mit dem Kulturaustauschprojekt „MOVES“ und einem dreistündigen Gala-Programm feierten die Tänzer des Ballett Theater Basel gemeinsam mit sechs Tänzern des Seoul Ballet Theatre Anfang April das 15-jährige Jubiläum von Ballettdirektor Richard Wherlock. Mihaela Vieru traf die Ballettdirektoren Richard Wherlock und James Jeon am nächsten Morgen und sprach mit ihnen über das interessante Projekt.

MOVES 2015 in Seoul © Charles Ian CHUN

Richard Wherlock, als Mensch, Ballettdirektor und Choreograf

Richard Wherlock strahlt. Seine große Jubiläumsgala am 2. April ging erfolgreich über die Bühne. Sie markiert seine 15-jährige Tätigkeit am Ballett Theater Basel und ist gleichzeitig die Krönung der künstlerischen Zusammenarbeit mit dem Seoul Ballet Theatre unter der Leitung von James Jeon.
„MOVES ist nicht nur ein künstlerischer Austausch, sondern für beide Seiten ein aufeinander Treffen der Kulturen, wenn koreanische Tänzer mit unseren Ensemblemitgliedern, die aus Spanien, Frankreich, USA oder China stammen, gemeinsam tanzen“ meint Wherlock.
Dabei blickt der 57-jährige Engländer selbst auf eine lange Tanzkarriere zurück, die für ihn an der Ballet Rambert School in London beginnt. Warum wollte er Tänzer werden?
„Girls!“, sagt Wherlock lustig und lacht herzlich. „Ich habe damals viel Sport gemacht, spielte auch gerne Fußball, bin noch heute ein riesen Fußballfan. Dann entdeckte ich den Tanz, besonders das Entertainment fand ich toll. Der Tanz brachte mir immer Glück. I´m a very lucky Person! Und dafür bin ich sehr dankbar. Mein Kopf ist voll mit positiver Energie, daraus schöpfe ich meine Kraft.“

Richard Wherlock bei Proben mit Seoul Ballet Theatre © Philippe Olza

In der Tat ist Richard Wherlock ein sehr positiver Mensch, mit einer Dynamik und Ausstrahlung die sich vollkommen in seiner künstlerischen Arbeit und der leitenden Tätigkeit als Ballettchef widerspiegelt. Man kann sie regelrecht spüren. Woher nimmt er diese Energie?
„Ich glaube, es gibt verschiedene Gründe. Zum einen war ich ein Einzelkind, ein »unique« (lacht wieder herzlich). Ich musste damals alles für mich selbst entwickeln, selbst erfinden und mich damit gegen andere Schulkameraden oder auch gegen meine Eltern wappnen. Mit dieser Positivität bin ich auch in diesen Beruf eingegangen, und das total gegen den Willen meiner Eltern. Dann merkte ich irgendwann, dass meine Art mit Menschen umzugehen, meinen Lehrern an der Ballet Rambert School in London, wo ich meine Ausbildung genoss, sehr begeisterte. Später durfte ich als junger Tänzer mit dieser wunderbaren Traumkompanie arbeiten. Diese Positivität und der Respekt, mit dem ich großgeworden bin, ist das, was ich von dort mitgenommen habe und weitergeben wollte. “

James Jeon bei Proben mit Ballett Theater Basel © Ismael Lorenzo

Vor meinem Interview traf ich James Jeon - den Artistic Director des Seoul Ballet Theatre - im Basler Theaterfoyer. Die Gala stand noch bevor, dennoch strahlte er eine geradezu himmlische Ruhe aus, als er die vielen Fragen beantwortete, die ihm Journalisten oder andere Gäste der Ballettgala nacheinander stellten. Ich erinnerte mich an die Devise: „In der Ruhe steckt die Kraft“. Typisch für Tänzer, sagte ich mir, sie können ihre Konzentration und Ruhe auf das Maximum erhöhen, lassen sich keine Anspannung anmerken…
Der koreanische Tanzchef ist ein Top-Profi: Geboren in Seoul, Korea, immigriert Jeon mit seiner Familie im Alter von 12 Jahren in die USA. Dort studiert er an der weltbekannten Juilliard School in New York, tanzt bei Maurice Béjarts Ballet du XXe siècle (Ballett des 20. Jahrhunderts) in Brüssel und wird dann ans Florida Ballet in Jacksonville engagiert.
Als er nach Korea zurückkehrt, tanzt er dort noch einige Jahre mit dem Universal Ballet und dem Koreanischen National Ballett, bis er eines Tages die Idee entwickelt, selbst eine Tanzkompanie zu gründen. 1995 wird aus der Idee Wirklichkeit. Gemeinsam mit seiner Frau, Inhee Kim, die selbst Primaballerina am Koreanischen National Ballett war, gründet er das Seoul Ballet Theatre und schreibt durch Pionierarbeit Tanzgeschichte. Unter ihrer Leitung gedeiht das Ensemble zur wohl bedeutendsten modernen Tanzkompanie in Korea. James Jeon ist ein profilierter Künstler. Angetrieben von seiner Liebe zur Musik, kreiert er eine kontinuierlich zunehmende Anzahl vielfältiger Werke (bis dato mehr als 100). Sein Stil reicht von neoklassischen Werken bis zu einem Genre, das er selbst "Rock Ballett“ nennt. Ich sprach mit Jeon nach meinem Interview mit Richard Wherlock.

Wie fühlen Sie sich jetzt?

„Great!“, sagt er, gelöst und glücklich über den riesen Erfolg des Galaabends. „Es ist für meine Tänzer und mich ein großartiges Erlebnis, mit Richard Wherlock und seiner Kompanie hier in Basel aufzutreten. Ich kenne Richard seit über 20 Jahren, er war schon früher immer Gastlehrer bei uns. Vor einigen Jahren haben wir dann einfach Ideen spielen lassen und Pläne geschmiedet, die wir jetzt endlich in dem gemeinsamen Projekt wahr werden lassen konnten. Gestern Abend war ich von dem Ergebnis unserer Zusammenarbeit so überwältigt, zu sehen wie unsere Tänzer gemeinsam auf dieser wunderbaren Bühne auftreten. Was wir mit dem Kulturaustausch MOVES tun, sind nicht nur tolle Gemeinschaftsperformances. Das ist der Austausch, die Kommunikation zwischen den Kulturen.“

 

Snip Shot, Ch. Richard Wherlock © Yoon Kwan Kim und Voice in The Wind, Ch.  James Jeon © Kyung Tae Jang 

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