Auf dem Weg in die Normalität - Equality-Tanzen verlässt seine Nische

27.04.2017

Wenn im Ballett zwei Herren oder zwei Damen in einem innigen Pas de Deux miteinander tanzen, dann ist das auf der Theaterbühne Normalität und keinerlei Grund für Aufregung im Publikum. Es geht um Ästhetik und nicht um moralische Entrüstung. Was Ballroom-Tanzen angeht, hinkt da die Entwicklung hinterher. Obgleich eine nicht-heterosexuelle Ausrichtung inzwischen in der Gesellschaft angekommen und eine eingetragene Partnerschaft offiziell möglich ist, so befinden sich gleichgeschlechtlich miteinander tanzende Turnier-Paare immer noch in einem Ghetto, sprich: Sie organisieren sich in eigenen Clubs mit so schillernden Namen wie Pink Ballroom
oder gar LUST (was man mit Lesben- und Schwulen-Tanz ebenso übersetzen kann wie mit Latein- und Standard-Tanzen).

Wehende Frackschöße und viel gute Laune beim Standard-Herrenpaar

Foto: Ute Fischbach-Kirchgraber

Erst 2008 gründete sich der Deutsche Verband für Equality-Tanzsport, der DVET, der vehement zu kämpfen hatte, dass gleichgeschlechtliches Tanzen als Sport anerkannt wurde. Der Deutsche Tanzsportverband hat sich lange Zeit gesträubt, doch nun ist der DVET ebenso unter seinem Dach aufgenommen worden wie zuvor schon Boogie-Woogie, Rock´n Roll oder Karnevalsvereine mit ihren Tanzmariechen. Wenn man schon einen Alleinvertretungsanspruch stellt, wie die über dem Deutschen Tanzsportverband thronende Worlddancesport Federation, um sich Olympia-Gelder zu sichern, dann kann mehr Masse an Mitgliedern, die man vertritt, natürlich nicht schaden. Und so ist gleichgeschlechtliches Tanzen also immerhin als Sport akzeptiert. Abgesehen davon, dass man damit dem erklärten „Feind", dem World Dance Council, eine Sparte abgejagt hat. Der etwas andere Turnierablauf beim DVET verrät diese andere Herkunft. Doch da sich die Amateurabteilung des World Dance Council hier ebenfalls in einer Aufbauphase befindet, ist das Equality-Tanzen beim Landestanzsportverband auf der Mehrheits-Seite. Und der Gedanke an gleichgeschlechtliche Professionals (die besser beim WDC aufgehoben wären) kommt beim DVET ebenso wenig hoch wie der Wunsch, an
olympischen Spielen teilzunehmen. Vorerst jedenfalls.



Dynamik und Entschlossenheit präsentiert dieses Damen-Standardpaar, das man erst auf den zweiten Blick als solches erkennt.

Foto: Ute Fischbach-Kirchgraber

Dass gleichgeschlechtliche Paare in ganz „normalen” Tanzetablissements unterkommen, ist eher die Ausnahme als die Regel, wenn sich auch einige Tanzclubs nun öffnen. Zu diesen Vorreitern gehört der TSC Savoy München, der soeben ein erstes Equaliy-Turnier in seinen Räumen veranstaltet hat. Mit Erfolg. Denn da es nur wenige
Turniere für gleichgeschlechtliches Tanzen gibt, nehmen die Teilnehmer lange Anfahrtswege in Kauf. Paare aus Wien oder der Schweiz sind auch sonst im Normalbetrieb hie und da anzutreffen, doch nicht unbedingt aus Paris, Amsterdam oder Ungarn – es sei denn, es handelt sich um die Grand Slams bei der German Open.

Quicksteppende Herren-Runde

Foto: Ute Fischbach-Kirchgraber

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