Tänzer sind die Botschafter ihrer Kunst - Interview mit Samuel Wuersten

19.05.2015

Samuel Wuersten ist Co-Rektor von Codarts und Direktor vom Holland Dance Festival, eine der bedeutendsten Plattformen für zeitgenössischen Tanz in Europa. Seit letztem September leitet der weltweit hochgeschätzte Tanzpädagoge und Tanzvernetzer, gemeinsam mit Gianni Malfer den neuen Bachelor-Studiengang Contemporary Dance an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Während des „International Choreographic Competition Dance Festival 2015“ in Skopje, Mazedonien, nahm sich der vielbeschäftigte künstlerische Leiter Zeit für ein ausgiebiges Interview mit Mihaela Vieru.


Nun gibt es endlich einen Studiengang für zeitgenössischen Tanz in der Schweiz. Das ist für Sie als Berner Oberländer bestimmt erfreulich.

Absolut! In Zürich haben wir jetzt fast das erste Jahr des neuen Studiengangs „Bachelor Contemporary Dance“ geschafft, nachdem im September eine Gruppe von Studierenden die erste praxisorientierte Tanzausbildung auf Hochschulniveau in der Schweiz begonnen hat.
Es war ein fliegender Start, den ich persönlich bisher nie so erlebt habe: eine Schule von Grund aufzubauen. Eine große Herausforderung, denn es gibt zunächst einmal nichts, worauf man sich als Erfahrungswert beziehen kann. Alles ist neu und geht Schritt für Schritt. Das ist für mich sehr interessant, weil man sich immer neuen Fragen stellen muss. Ich lerne selbst auch viel dabei! (lacht herzlich). Im Gegenteil zu meiner Arbeit in Holland, wo ich seit dreißig Jahren arbeite, und wo die ganzen Strukturen und Abläufe gut eingeführt sind und alles immer weiterentwickelt wird, ist die Arbeit in Zürich noch mit vielen Fragen, Entscheidungen und Lösungsvorschlägen verbunden. Es ist für mich persönlich eine tolle, „regenerierende“ Herausforderung und eine gute Art das ganze Phänomen „Ausbildung“ neu zu erleben.
 


 

Was haben Sie in dieser Zeit in Zürich neu gelernt und was kann man als erfahrener Schulleiter überhaupt neu lernen?

Es ist einfach das Erlebnis, mit einer neuen Gruppe von Studenten zu arbeiten und alles neu aufzubauen. Zu schauen: Was brauchen die Studenten? Wie und was können wir dazu beitragen? Der zeitgenössische Tanz in der Schweiz entwickelt sich stets mehr, während in Holland alles eine ganz lange Tradition hat. Was ich noch „neu“ dazu gelernt habe ist, wie man in einem anderen Schulbetrieb arbeitet. Weil die ZHdK ganz anders als Codarts strukturiert ist. Wenngleich beide Kunstuniversitäten Hochschulbetriebe sind, ist die ...Mehr

Interview von Mihaela Vieru

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Fotos:
Samuel Wuersten, Foto Antoinette Mooy
Studenten der BA Contemporary Dance in Zürich, Foto Carolin Minjolle

 

           

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