Filip Barankiewicz wird der erste ausländische Ballettdirektor in Prag

22.01.2016

Er ist der Erste. Filip Barankiewicz sagt es nicht mit dem Brustton der Überzeugung, sondern gleichsam nebenbei, als wär’s ihm eigentlich gar nicht der Erwähnung wert. Doch das ist er ab 2017: der erste Ausländer, der in Prag eine Führungsposition bekleidet. „Bisher gab es nur einheimische Ballettdirektoren. Ich denke, es ist ein großer Schritt für die Tschechen, jemanden wie mich als Direktor des Nationalballetts zu benennen.“


Um in Prag als Pole anzukommen, braucht es allerdings einen Umweg, der Jahre seines Lebens gekostet hat. Wir treffen uns unweit seiner künftigen Arbeitsstätte, die in vielem noch erkennen lässt, dass in der Metropole an der Moldau einst auch deutsch gesprochen wurde. Filip Barankiewicz, seit seinem Abschied von der Ballettbühne bärtig, spricht perfekt deutsch, und das nicht ohne Grund. Immerhin hat er seit 18 Jahren im Schwäbischen sein Zuhause; der 13-jährige Sohn, etwas später zum Gespräch hinzustoßend, ist dort geboren.
Warum Stuttgart, wo er doch in Warschau seine Ballettausbildung erhielt, in Danzig den ersten Preis in einem nationalen Wettbewerb gewann? Auch Emil Wesewolowski hat ihm dort in einer eigens für ihn kreierten Choreografie bereits „The Way“ vorgezeichnet. Obwohl Finalist beim „Grand Prix d’Eurovision für junge Tänzer“ in Lausanne, riet ihm indes die Direktorin seiner Schule, sich nicht auf den ersten Lorbeeren auszuruhen. Besser wäre es, sein technisches Können bei Marika Besobrasova in Monte-Carlo zu verfeinern. Ausgestattet mit dem ersten Stipendium der kurz zuvor gegründeten Nureyev-Foundation, folgte er ihrem Rat und holte sich den letzten Schliff bei der legendären Ballettpädagogin.
Aber es war nicht Marika Besobrasova, die ihn für Stuttgart empfahl, obwohl sie die Kompanie aus eigener Erfahrung bestens kennt. Der Vater, selbst Ex-Tänzer und noch immer am Theater Hof als Inspizient tätig, animiert ihn vielmehr die erste Audition von Reid Anderson wahrzunehmen, der vor fast 20 Jahren damit seinen Amtsantritt vorbereitet. 330 Bewerber, so erinnert sich Filip Barankiewicz, hatten sich seinerzeit um eine Position beworben, davon 110 Jungs. „Er hat echt gute Augen gehabt“, sagt er. „Ich muss mich glücklich schätzen, dass ich ihm aufgefallen bin.“

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Artikel von Hartmut Regitz 

           

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