6/2011 November-Dezember

Editorial

 

Diskussion „Tanz“ im Bildungswesen?

 

Seit es in Deutschlands Grundschulen den Offenen Ganztag gibt, ist Tanz in Schulen - zumindest in Nordrhein-Westfalen - kein Fremdwort mehr. Dank der engagierten Arbeit des Landesbüro Tanz NRW sind mittlerweile rund 600 Schulen mehr oder weniger regelmäßig dabei, Kindern und seit einigen Jahren auch Jugendlichen, Körpererfahrung und Tanzfreude zu vermitteln. Unsere Nachbarländer, vor allem Großbritannien und die Niederlande, sind uns da um Jahre voraus, und doch scheint der Tanz auch dort als akademische Disziplin nicht ernst genommen zu werden, wie eine Parlamentsdebatte in Großbritannien vor wenigen Wochen deutlich machte.

 

Immerhin: Englische Politiker diskutieren über Tanz, davon können wir in Deutschland nur träumen! Dass Universitäts-Minister David Willetts sich jedoch im Hinblick auf einen Wechsel von der Schule zur Universität dafür ausgesprochen hat, dass „A level dance“ weniger zählen solle als „klassische“ Fächer, schadet nicht nur der Reputation des Tanzes generell, es birgt auch die Gefahr in sich, dass gerade Schülerinnen und Schülern aus ärmeren Verhältnissen der Weg in eine professionelle Tänzerlaufbahn verwehrt bleibt. Genau darauf hat auch Edward Watson, Erster Solist beim Royal Ballet, hingewiesen, als er sich mit folgenden Worten in die Debatte einmischte:  “I want all those children who have a talent for dance to get the chance to receive high quality dance training (...) I’m here to support the future generations of great British dancers.”

 

Was die Zukunft junger Menschen angeht, muss es dabei noch nicht einmal um Profi-Tänzer gehen. Ein Land, das einen Royston Maldoom hervorgebracht hat, sollte wissen, welchen großartigen Nutzen Tanz bringen kann. Man braucht sich nur die Selbstdisziplin oder die gerade, selbstbewusste Haltung im Ballett vor Augen halten, ganz abgesehen von dem Zusammenhalt, der Emphathie, die im kreativen Prozess einer Partnerarbeit oder gar Gruppenchoreografie entstehen kann. Schließlich sollte es doch - gerade in der Schul-Ausbildung - um den ganzen Menschen gehen.   

 

Isabell Steinböck

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