3/2015 Mai/Juni

Editorial

Das Ende der Karriere – welchem Tänzer graut nicht davor? Nachdem sie ihre Körper im Schweiße des Angesichts jahrelang geformt haben, von Klein auf gedrillt auf noch mehr Beweglichkeit und Kraft, ist die Zeit auf der Bühne naturgemäß beschränkt. Mit 30, 40, wenn man Glück hat 45 Jahren ist für die meisten Schluss, vor allem dann, wenn es sich um Klassischen Tanz handelt. Tanztheater und zeitgenössischer Tanz sind etwas weniger gnadenlos, vor allem dann, wenn im Tänzer eine große Persönlichkeit steckt. Man denke nur an Jiří Kyliáns legendäre Kompanie NDT III, die man nun als „Kylworks“ wieder auf der Bühne erleben kann.

Doch was, wenn man nicht in diesen illustren Kreis aufgenommen wird? Was tun Tänzer, die körperlich einfach nicht mehr können? Auf der Tanzakademie ist die Zeit nach der Bühne leider allzu selten Thema, entsprechend hart kann das Ende sein, denn wer erst kurz vor Schluss an die Zukunft denkt, dem helfen auch so verdienstvolle Stiftungen, wie das „Transition Zentrum“ in Berlin nicht immer. Es lohnt sich, frühzeitig die zweite Karriere zu planen und sich dabei auf persönliche Stärken zu besinnen. John Neumeier, Kuratoriumsvorsitzender von Tanz-Transition, spricht von Kreativität, Spontaneität, Disziplin und Ausdauer, Eigenschaften, die in vielen Berufen gefragt sind, denn nicht jeder Bühnentänzer ist automatisch ein guter Pädagoge – auch wenn viele ihre Perspektive in einer eigenen Ballettschule sehen.

Vielleicht liegen die Stärken im intellektuellen Bereich: Schauen Sie sich an Universitäten um, seien Sie dort Gast und besuchen Vorlesungen. Entdecken Sie neue Arbeitsfelder und verbinden Sie diese mit Ihrem Können, zum Beispiel im Bereich Kultur-Management. Falls Sie gern weiter mit dem Körper arbeiten möchten, bieten Yoga, Pilates oder Feldenkrais eventuell eine Perspektive, auch Physio- und Osteopathie liegen nah. Im Idealfall erfinden Sie sogar eine neue Technik, wie Solotänzerin Monica Fotescu-Uta, die gerade ihre letzten Wochen am Ballett Dortmund erlebt und nebenbei „Sophrodance“ (eine neue Variante der „Sophrologie“) entwickelt. So spannend kann das Ende einer Bühnenkarriere sein...

Toi, toi, toi für die Zukunft wünscht Ihre

Isabell Steinböck

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